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Beeinflussung des Wetters
     
 

Ist das Wetter beeinflussbar ?

Karsten Brandt

Das Wettergeschehen, dass ist etwas Höheres, etwas „Göttliches“. Shakespeare lässt in seinem Werk „Der Sturm“ den König auf dem tobenden Ozean sagen : „Was interessierten sich die Stürme für einen König ?“.

Bis in die Neuzeit hinein galt das Wetter als Gottes Werk, was es hinzunehmen galt. Bei großen Unwettern wurden „Schuldige“ gesucht, die Gott erzürnt hatten (Hexenprozesse). Durch Erfindungen im 17. Jahrhundert (Thermometer und Barometer) konnte das Wetter zumindest teilweise objektiv beobachtet werden, bevor Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert die Grundlagen des Wettergeschehens auf der Erde durch Wissenschaftler entzaubert werden konnte. Die Atmosphäre der Erde ist nichts anderes als eine große Wärmekraftmaschine, die die zu gestrahlte Wärme der Sonne in Luft- und Meeresströmungen und gewaltige Berge aus Wasserdampf umsetzt.

Durch zahllose Erfindungen hat es der Mensch verstanden, wesentliche Teile seiner direkten Umwelt zu kontrollieren. Der Einfluss des Wetters wurde in seinen Wohnungen, zumindest in den entwickelten Ländern, vollständig ausgeschaltet. Unabhängig ob 40 Grad C Hitze draußen oder -20 Grad Kälte, die Klimaanlage hält immer 23 Grad C.

Die Kontrolle über das Wettergeschehen hat der Mensch nicht, noch nicht.

Der Traum des Menschen selber Wettermacher zu spielen ist stark. Welchen Einfluss hat der Mensch auf das Wettergeschehen bis jetzt ?

Besonders das Mikroklima kann der Mensch beeinflussen . Im direkten Umfeld, sei es durch geschicktes Pflanzen von Bäumen und Hecken zum Windschutz, oder die Wahl einer Südhanglage zur Nutzung der Sonnenwärme, lässt sich auch das Klima, zumindest zeitweise in ein Wunsch-klima/wetter verändern.


Abb.: Schneemuster auf einem Sportplatz machen das Mikroklima sichtbar

Schon seit Jahrhunderten wird im Weinbau eine Art Außenheizung eingesetzt. Dabei sorgten zahllose Feueröfen im Weinhang dafür, dass der Frost in einer klaren Nacht nicht die Reben zerstört. Heute nutzt man zum Frostschutz (z.B. vor Spätfrosten bei der Apflenblüte) Beregnungsanlagen. Um die Blüten bildet sich ein Eisfilm, der die Blüten vor dem Frost bis
-3 Grad schützt. Weitere kleinere Möglichkeiten der Wetterbeeinflussung sind die Straßenheizung, die zeitweise vor Glätte oder Schnee schützt. An einzelnen Flughäfen wird zur Sicherung des Flugverkehrs Bodennebel mit einem hohen Energieaufwand aufgelöst.


Bild : Eisnebel kann an Flughäfen mit hohem Energieeinsatz aufgelöst werden.

Ebenfalls eher dem Mikroklima zuzurechnen ist der Versuch mit Hilfe von Lasern Blitze abzulenken. Dies funktioniert bisher nur unter Laborbedingungen und zudem lässt sich der Blitz nur wenige Meter ablenken.

Außerhalb des Mikroklimas, gibt es, trotz spektakulärer Behauptungen, kaum Möglichkeiten das Wetter zu beeinflussen.

Großprojekte in den USA (Rocky-Mountains), mit einer Umwandlung von Monokultur in eine diversifizierte Landschaft, zeigten positive Wetteränderungen mit einer Zunahme von Niederschlägen. Ein geplanter Nebeneffekt der großen türkischen Staudammprojekte an Euphrat und Tigris in Südostanatolien ist eine Zunahme von Niederschlägen und eine Abdämpfung von großen Temperaturschwankungen zwischen Sommer und Winter.

Seit Jahren wird mit Hilfe verschiedener Versicherungen und der Landwirtschaft in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz eine Hagelbekämpfung mit Hilfe der Impfung von Wolken durch Silberjodid, welches mit Flugzeugen in großen Höhen in der Wolke ausgebracht wird, durchgeführt. Eine Schweizer Studie kam Anfang der neunziger Jahre zum Schluss, dass ein Nachweis über die Wirksamkeit nicht erbrahct werden kann. Eine aktuelle Österreichische Studie, die noch nicht veröffentlicht ist, zeigt leicht positive Ergebnisse.

Silberjodid und Trockeneis wurden verschiedentlich zum Abregnen von Regenwolken benutzt. Das bekannteste Projekt war der Versuch, die russischen Militärparaden der Roten Armee in Moskau bei trockenem Wetter stattfinden zu lassen. In vielen Ländern der Erde wurden ähnliche Versuche gemacht, die zumindest kleinräumig zu Teilerfolgen führten.

Weitere Möglichkeiten der Beeinflussungen des mesoskaligen oder makroskaligen Wetters gab es bisher nicht. So ist es aktuell nicht möglich Stürme aufzuhalten oder Temperaturen großräumig zu verändern. Auch ein die Schaffung einer gewitterfreien Zone für eine Großveranstaltung ist nicht möglich.

Zahllose Forscher beschäftigen sich mit Möglichkeiten, um das Wetter beeinflussbar zu machen. Teilweise finden sich darunter auch sehr kuriose Ansätze.

Im Juli 2005 sorgte die Nachricht der Planung einer Regenfabrik in Spanien durch spanische und israelische Wissenschaftler für erhebliches Aufsehen. Immerhin berichtete die Weltpresse über das Vorhaben. Mit Hilfe von 5 * 5 km großen schwarzen Kunstoffplanen sollte an der Mittelmeerküste ein Aufwind erzeugt werden, der Schauerwolken entstehen lassen sollte.

Dabei bestehen erheblich Zweifel, dass mit Hilfe dieser Technik Schauerwolken entstehen. Es ist sicherlich schon unrealistisch anzunehmen, dass Flächen von 5*5 km einfach unter einer Kunstoffplane verschwinden werden. Die Bildung von Cumuluswolken ist sicherlich möglich, aber zur Bildung von Regenwolken müssen auch in der hohen Atmosphäre bestimmte Bedingungen herrschen, die so ohne weitere nicht gegeben sind. Hinzu kommt, dass es nicht klar ist, ob, wo sich die Schauer und Gewitter abregnen. Die Aussichten des Projektes sind als sehr zweifelhaft anzusehen .

Die amerikanische Firma Dyn-O-Mat versucht mit einer Substanz Regenfälle zu beeinflussen. Diese Unternehmung behauptet auf ihrer Internetseite, ihr Gel (angeblich Polymere) könnte so viel Wasser aufnehmen, dass Regenwolken austrocknen. Die Firma ist leider nicht erreichbar, so dass nähere Angaben zu dem Produkt kaum möglich sind. Amerikanische Wissenschaftler (NOAA) halten das Produkt für ungeeignet . Das größte Problem dürfte sein, dass ein Pulver über hunderte Kilometer ausgebracht werden müsste, um großflächig Regen aufsaugen zu können.

Der Amerikanische Meteorologe Ross Hoffmann versucht seit Jahren Techniken zu entwickeln, die Hurrikans abschwächen können. Dabei sollen Satelliten hohe Luftschichten in der Atmosphäre mit Hilfe von Sonnenlicht aufheizen, um die Bildung von Gewitterwolken zu verhindern. Abbaubare Ölfime über dem Meer sollen die Feuchtezufuhr stoppen usw..

Die Projekte sind nach Aussagen von Deutschen und Amerikanischen Wissenschaftlern auch in absehbarer Zeit nicht realisierbar .

Auch im militärischen Bereich gibt es ein großes Interesse an Wetterbeeinflussung. Verschiedene Militärstrategen haben sich seit Jahrzehnten mit der Wetterbeeinflussung beschäftigt, da das Wetter auch heute noch ein wichtiger Faktor bei der Kriegsführung ist. Dabei wird aber auf zukünftige Technik gesetzt. Auch hier kommen die meisten Autoren zum Schluss, dass eine Wetterbeeinflussung auch in naher Zukunft nicht möglich ist.

Die Bundeswehr arbeitet grundsätzlich nicht mit Techniken, die das Wetter beeinflussen können.

Zudem verbietet auch UNO-Richtlinie aus dem Jahr 1977 eine großräumige Wetterbeeinflussung für militärische Zwecke.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Mensch noch lange nicht Wettergott spielen kann. Nur in seinem direkten Umfeld kann er das Klima und das Wetter in Grenzen anpassen. Einzig die Hagelbekämpfung könnte Sinn machen, wenn sich die leicht positiven Ergebnisse bestätigen. Die Energiemengen, die in der Atmosphäre umgesetzt werden, sind so groß, so dass einfache Techniken nicht ausreichen, um das Wetter zu beeinflussen. Eine Regenfront über hunderte Kilometer aufzulösen, oder gar ein Hurrikane vom Weg abzubringen, wir sicherlich auch zwanzig Jahren nicht möglich sein.

Wahrscheinlich ist es besser so, denn eine Wetterbeeinflussung wäre auch mit großen Risiken verbunden. So wäre ein militärischer Missbrauch nicht auszuschließen und die Nebenwirkungen einer Regenfabrik unkalkulierbar.

© August 2005

unter Mithilfe von Franziska Schnell

Ein ausführlicher Fachtext ist für 12 Euro ohne Versandkosten bei mair@donnerwetter.de zu bestellen.

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